
In den Nachrichten

Nachhaltige Hilfe nach Taifun auf den Philippinen
Philippinen, 23. Januar 2012
Zerstörte Gebäude, zerbrochene Möbel und Unrat, zerborstene Bäume, Tierleichen, und über allem eine dicke Schicht Schlamm: Das war der Anblick in mehreren Städten und Dörfern im nördlichen Teil der Insel Mindanao auf den Philippinen, die am 16. Dezember 2011 in den vom Taifun Washi (Sendong) ausgelösten Sturzfluten verwüstet wurden. Eine halbe Million Menschen sind betroffen; mehr als tausend Menschen kamen um, viele verloren ihren ganzen Besitz. Die Evakuierungszentren und Zeltstädte sind noch immer überfüllt.
Schon wenige Stunden nach der Katastrophe waren Mitarbeiter von NCM Philippines, Helping Hands' örtlichem Partner, vor Ort und leisteten erste Nothilfe. Seitdem hat NCM Philippines folgende Hilfsmaßnahmen durchgeführt:
In verschiedenen Gebieten wurden Pakete mit Hilfsgütern an betroffene Familien und Einzelpersonen verteilt. In Partnerschaft mit einer Stiftung vom philippinischen Sender TV5 verteilte NCM Philippines 2000 Hilfsgüterpakete mit Nahrung, Decken, Wasser und Kinderspielzeug in muslimischen Stadtteilen in Cagayan de Oro. U.a. wurden auch 1000 Pakete in Gebieten um Cagayan de Oro verteilt, in denen aus kulturellen und religiösen Gründen nur wenige Hilfsorganisationen arbeiten. Teams von NCM Philippines halfen auch bei Aufräumarbeiten, z.B. Säuberung von Schulen—oft eine Aufgabe, die mehrere Tage in Anspruch nahm.
Um dem dringenden Bedarf nach medizinischer Hilfe nachzukommen, machte sich bereits am 23. Dezember ein dreiköpfiges Ärzteteam von Helping Hands' Partner humedica mit einer mobilen Arztpraxis auf die Reise. Das humedica Team in Zusammenarbeit mit NCM Philippines behandelte eineinhalb Wochen lang Patienten in den Evakuierungsgebieten und wurde per Hubschrauber auch in das Gebiet Ragongon nahe Iligan geflogen, das durch die Sturzfluten zwei Wochen lang von der Außenwelt abgeschnitten war; erster Kontakt entstand durch das Ärzteteam und einem Hilfsgütertransport von NCM Philippines.
60% der behandelten Patienten waren Kinder zwischen 2 und 12 Jahren; die häufigsten Beschwerden waren Atemwegserkrankungen, Erkältungen, Unterernährung, Fieber, Durchfall und Hautkrankheiten, auch vermehrt Fälle von Dengue Fieber. Das Team von humedica konnte wichtige Daten aus den betroffenen Gebieten an die örtlichen Gesundheitsbehörden weitergeben. “Wir sind sehr dankbar für die wertvolle Unterstützung vom humedica-Team aus Deutschland”, schreibt Stephen Gualberto, verantwortlich für NCM Philippines.
Ein weiteres Ärzteteam aus Susanville in Kalifornien begann am 7. Januar mit medizinischer Hilfe; das fünfköpfige Team errichtete für ca. 10 Tage eine medizinische Station in einer Zeltstadt in Cagayan de Oro, zu der bis dahin noch kein anderes Ärzteteam Zugang erhalten hatte. Seit dem 18. Januar ist ein philippinisches Ärzteteam im Einsatz. Es besteht weiterhin großer Bedarf an sauberem Wasser (besonders Desinfektionstabletten) und weiterer medizinischer Hilfe, besonders in Zeltstädten und Evakuierungszentren.
Viele der Betroffenen auf Mindanao sind Kinder. Nach einer solchen Katastrophe ist es wichtig, nicht nur ihre körperlichen Bedürfnisse nach Nahrung und medizinischer Hilfe anzusprechen, sondern ihnen vor allem auch zu helfen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und zu einem normalen Alltag zurückzufinden. Dafür führte NCM Philippines an mehreren Orten 3-tägige Programme für jeweils 100 Kinder durch, die speziell zur Bewältigung von Trauma konzipiert sind. Dabei wurde Material benutzt, das nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010 entwickelt wurde und Kindern und Familien hilft, Trauma zu verarbeiten. Außerdem wurden in Zusammenarbeit mit World Vision sogenannte "child-friendly spaces" eingerichtet. Aufgrund der Erfolge in diesen Programmen wurde NCM Philippines gebeten, ein "values formation" Programm für Kinder in Evakuierungszentren auszuarbeiten, da viele dieser Kinder starke Trauma-Symptome zeigen. Weitere Programme für ganzheitliche Entwicklung für Kinder sind geplant.
NCM Philippines arbeitet vor Ort vornehmlich mit freiwilligen Mitarbeitern. “Viele der Helfer sagen, dass sie von diesen intensiven vier Wochen zwar sehr erschöpft sind”, berichtet Stephen Gualberto nach einem "psycho-social de-briefing", bei dem sich alle Mitarbeiter über Auswirkungen, Erfolge und Herausforderungen der Hilfsmaßnahmen austauschen konnten, “aber sie betonen auch, wie viel Energie ihnen die enorme Unterstützung aus der ganzen Welt gegeben hat.” NCM Philippines leistet Hilfe für alle Bedürftigen, egal welcher Rasse, Religion oder Kultur, und stimmt alle Maßnahmen regelmäßig mit den Menschen vor Ort und ihren empfundenen Bedürfnissen ab. Inzwischen sind viele der anderen Hilfsorganisationen wieder abgereist. Aber NCM Philippines möchte die Betroffenen langfristig unterstützen und Lücken in humanitärer Hilfe füllen. “Wir möchten uns für das langfristige Wohlergehen und die ganzheitliche Entwicklung der betroffenen Menschen und Dörfern engagieren. Unsere Prioritäten dabei sind: Bau von stabilen Unterkünften, Risikominderung und Kinderzentren bzw. ganzheitliche Entwicklung für Kinder in neubesiedelten Gebieten.”
Falls auch Sie weiterhin in den betroffenen Gebieten "helfende Hände" reichen möchten, können Sie die Arbeit von NCM Philippines unterstützen: durch eine Überweisung mit Vermerk "Taifun Philippinen" auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, KTO 22394, BLZ 507 500 94. Oder spenden Sie bequem online: über das Online-Formular. Bitte wählen Sie unter "Meine Spende soll folgendem Projekt zugutekommen" die Option "Taifun Philippinen (2011)".
Lesen Sie hier einen früheren Artikel zu dieser Katastrophe.